Requiem für eine Hure Leseprobe

Nina fixierte den Mann vor ihr. „Hör auf deinen Freund, wenn dir deine Freiheit lieb ist.“
Bösartige Raubtieraugen starrten sie an, finsteres Grollen hallte in ihren Ohren. Die spitze Nase des Mannes, die sie an den scharfen Schnabel eines Raubvogels erinnerte, näherte sich ihrem Gesicht bis auf wenige Millimeter. „Kommst dir wohl ganz schlau vor, was?“
„Bäh“, machte Nina provozierend und verzog angewidert das Gesicht, als ihr sein fauliger Atem entgegenschlug. Eigentlich staunte sie ja über sich selbst, wie sie bei so viel Angst noch so viel Chuzpe haben konnte. Ist wohl der Mut der Verzweiflung, dachte sie und fuhr sogleich fort. „Hast wohl den Prophylaxetermin beim Zahnarzt verpasst.“
Blitzschnell drehte sie den Kopf zur Seite und als der erwartete Schlag kam, streifte er nur ihr Ohr.
Jetzt mischte sich sein Kumpel in ihr kleines Tête-à-tête ein. „Ej Kalle“, warnte er, „lass die Frau besser gehen. Ich bin gerade aus dem Knast raus und hab keinen Bock, gleich wieder da zu landen.“
Nina spürte, wie sein Griff sich lockerte und Hoffnung keimte in ihr auf. Der andere Mann zögerte noch und in seinem Gesicht kämpften Wut und die Einsicht miteinander, dass es besser war, sie gehen zu lassen. Schließlich gewann die Einsicht die Oberhand. „Lass sie los“, wies er seinen Kumpel an.
Der tat wie geheißen und augenblicklich versagten Ninas Beine ihren Dienst. Sie knickte ein und glitt aufs Pflaster und nur unter Aufbietung ihrer ganzen Willenskraft schaffte sie es, sofort wieder aufzustehen. „Seid klüger, als ich dachte“, sagte sie an die Männer gewandt und musterte sie aufmerksam. Würden sie sie gehen lassen? Ihr Herz klopfte bis zum Hals.
Gierige Augen funkelten wild. Ein, zwei Sekunden verstrichen. „Na gut“, sagte der Kerl mit den verfaulten Zähnen schließlich und schloss den Reißverschluss seiner Hose. Er sah seinen Kumpel an. „Los, schmeiß die Nutte raus.“
Ehe sie es sich versah, hatten die Männer sie gepackt und zum Tor geschleppt.