Requiem einer Sommernacht Leseprobe

Blitzschnell hob sie ihre Handtasche und den Schlüsselbund auf, lief los und rannte die Straße hinunter zum Mietshaus. Mit zitternden Fingern schloss sie die Haustür auf und stürmte ins Treppenhaus. Kaum im Inneren angekommen, warf sie sich gegen die Eingangstür, die sich für ihren Geschmack viel zu langsam schloss. Endlich machte es „Klack“. Mit fliegenden Fingern drehte sie den Schlüssel herum und lehnte sich erleichtert gegen das solide Holz, um fast im gleichen Moment erschrocken zusammenzuzucken, als von außen an die Tür gehämmert wurde. Gleich danach klirrte es laut neben ihrem Kopf und eine der schönen, grünen Jugendstilglasscheiben, die in die Tür eingelassen waren, ging zu Bruch. Eine Faust schoss durch die Öffnung und hätte sie fast getroffen. Erschrocken sprang sie vom Eingang fort. Noch während sie, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, auf der Treppe nach oben rannte, fummelte sie ihr Handy aus der Hosentasche und wählte 110. Dem Polizisten, der den Anruf entgegennahm, gab sie ihre Adresse und schilderte ihm hastig die Situation.
Schwer keuchend kam sie vor ihrer Wohnungstür an und wollte gerade aufschließen, als sie merkte, dass etwas nicht stimmte. Die Tür war nur angelehnt, das Schloss war aufgebrochen. Vorsichtig trat sie ein und schlich ins Wohnzimmer. Dort prallte sie entsetzt zurück. Kleider lagen verstreut auf dem Boden, die Polster der Sessel waren aufgeschlitzt, Kissen waren zerfetzt und herumgeworfen worden. Ein Blick ins Schlafzimmer zeigte ihr, dass es dort genauso aussah. Tränen der Wut stiegen in ihr auf. Das sah nicht so aus, als wenn jemand etwas gesucht hätte. Nein, pure Zerstörungslust war hier am Werk gewesen. Frustriert hämmerte sie mit der Faust gegen die Zimmertür. Was wollten diese Kerle nur von ihr? Und warum hatten sie nicht einfach in der Wohnung auf sie gewartet?