Interview mit der Autorin Inga Beron

Andrea Claesen, Romanfigur aus Inga Berons zweitem Roman „Requiem für eine Hure“, führte das Interview.

Andrea Claesen: Frau Beron, Sie sind die Autorin des Kriminalromans „Requiem einer Sommernacht“ – ein Berlinkrimi nicht nur für Frauen. Wie sind Sie dazu gekommen, diesen Roman zu schreiben?

Inga Beron: Ein spannender Berlinkrimi, mit leichter Hand erzählt, in dessen Mittelpunkt eine starke Frau steht – den wollte ich schon vor Jahren schreiben. Okay, ich gebe zu, das klingt nach Klischee, aber so ist es!

Andrea Claesen: Scheint ganz simpel. Dann haben Sie sich einfach an Ihren Schreibtisch gesetzt und den Roman geschrieben?

Inga Beron: Naja, ganz so einfach war es leider doch nicht. Lange Zeit wusste ich nicht, wie ich die Themen, die mir am Herzen lagen, anpacken sollte – die pulsierende Hauptstadt mit all ihren Chancen, aber auch ihren Problemen, Kriminalität, Gewalt, sozialen Spannungen – und mittendrin meine Heldin.

Doch dann schuf ich die erste Person meines Romans, die intelligente und impulsive Nina Heinrichs. Nina, die ihrem Mann immer den Rücken freigehalten hatte, damit er Karriere machen konnte und die plötzlich, von einer Jüngeren verdrängt, vor den Scherben ihres Glücks stand. Nina, studierte Juristin, die nun, mit Mitte Vierzig, in Berlin einen Neuanfang wagte, das Beerdigungsunternehmen ihrer verstorbenen Großmutter übernahm und damit begann, Mordfälle aufzuklären.

Doch nachdem Nina „geboren“ war, lief alles wie von selbst.

Es folgte Özge, ein kluges, warmherziges junges Mädchen, das in Berlin lebte und sich plötzlich zwischen ihrer Familie und deren traditionellen Werten und ihren eigenen Zukunftsplänen entscheiden musste.

Und natürlich sollte es auch in einem Krimi mächtig „knistern“. Und so erweckte ich den bärbeißigen aber äußerst attraktiven und integren Kommissar Frank Sourell zum Leben.

Entstanden ist ein Buch, das, so hoffe ich, Spaß macht und unterhält.

Andrea Claesen: Den bislang ausschließlich sehr guten Rezensionen zufolge ist Ihnen das auch gelungen.

Inga Beron: Danke!

Andrea Claesen: Es ist ja ein sehr ambitionierter Kriminalroman, unterhaltend und aus dem Leben gegriffen. Was unsere Leser interessiert: Was hat Sie dazu befähigt, dieses Buch zu schreiben?

Inga Beron: Ich denke, dass dafür mein Studienabschluss sehr hilfreich war. Als Philologin, also Sprach- und Literaturwissenschaftlerin, liegt mir das Schreiben ohnehin. Außerdem habe ich früher auch als Journalistin und Texterin gearbeitet. Bei der Darstellung des gesellschaftlichen Hintergrundes hilft mir auch der zweite Part meines Studiums, die Politologie. Am wichtigsten ist mir jedoch immer, meine Leserinnen und Leser zu unterhalten.

Andrea Claesen: Frau Beron, Sie schreiben Krimis, die in Berlin spielen. Dies ist ja nicht die einzige Serie, die in der Hauptstadt angesiedelt ist. Warum also haben Sie noch einen Berlinkrimi geschrieben?

Inga Beron: Berlin ist die Metropole Deutschlands, die wächst und wächst und wächst. Dadurch ergeben sich jede Menge Veränderung aber auch viele Probleme. Außerdem bin ich eine echte Berlinerin. Ich bin hier geboren, aufgewachsen und habe hier studiert. Ich kenne die Stadt in- und auswendig und weiß genau, worüber ich schreibe.

Andrea Claesen: Sie nennen Ihren Kriminalroman „Berlinkrimi nicht nur für Frauen“. Was bedeutet das?

Inga Beron: Wie Sie ja schon gemerkt haben, schreibe ich hauptsächlich für Frauen. Aber eben nicht ausschließlich. Ich hoffe, dass auch aufgeschlossene und interessierte Männer ihn spannend finden.

Andrea Claesen: Der Titel Ihres Buches lautet: „Requiem einer Sommernacht“. Wie sind Sie auf diesen Titel gekommen?

Inga Beron: Ein Requiem ist eine Totenmesse. Der Begriff findet sich außerdem in der Musik wieder. Mozart, Verdi und viele andere berühmte Komponisten haben Requiems geschrieben. Und meine Protagonistin ist Bestatterin. Da fand ich, dass der Titel gut passte.

Andrea Claesen: Richtig, da wollte ich noch einmal einhaken. Wie sind Sie auf den Gedanken gekommen, eine Bestatterin als Ermittlerin einzusetzen?

Inga Beron: Die Krimiwelt hat schon viele Privatdetektive und Kommissare. Aber eine studierte Juristin, die das Bestattungsunternehmen ihrer verstorbenen Großmutter wieder auf die Beine zu bringen versucht und quasi nebenbei ermittelt, gibt der Geschichte einen anderen Dreh. Die Protagonistin kommt über ihren Job zu ihren Fällen. Denn schließlich beginnt jede Bestattung mit einer Leiche.

Andrea Claesen: Da haben Sie Recht. Jetzt komme ich zu meinem letzten Punkt. Wenn ich Sie richtig verstehe, haben Sie das Ganze als Reihe angelegt.

Inga Beron: Ja. Ich hoffe, noch in diesem Jahr mein zweites Buch aus der Requiem-Reihe herauszubringen. Es wird den Titel „Requiem für eine Hure“ tragen.

Andrea Claesen: Frau Beron, ich wünsche Ihnen, dass Ihr zweites Buch genauso erfolgreich wird wie Ihr erstes und danke Ihnen für das Gespräch.

Inga Beron: Ich danke Ihnen.

Berlin, 12. August 2014